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650 000 Besucher aus aller Welt werden in diesem Sommer in Kassel erwartet. Bei so vielen Gästen, die sich die documenta anschauen wollen, wittert so mancher gute Geschäfte. Auch jene, die ansonsten mit Handel nicht viel am Hut haben.
Aber wer glaubt, er könnte mit selbst gemachter Limo und frischen Waffeln aus der heimischen Küche rund um die Ausstellungsgebäude schnelles Geld machen, der liegt falsch. Denn fast überall, wo es sich richtig lohnen würde, Getränke und Essbares anzubieten, ist es verboten.
Wie zum Beispiel in der Karlsaue und im Bergpark Wilhelmshöhe, wo documenta-Kunst zu sehen ist. "Wir haben einige Gastronomiestandorte in den Parks", sagt Michael Boßdorf, Leiter der Anlagen bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (mhk). Darüber hinaus sei man an keinen weiteren Ständen oder auch fliegenden Händlern interessiert.
Und während der documenta werde die Gastronomie in den Parks ohnehin nur von den Vertragspartnern abgedeckt. Am heutigen Freitag soll bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden, welche Gastronomen den Zuschlag für die documenta bekommen haben.
Aber auch in der gesamten Innenstadt haben fliegende Händler keine Chancen, Geschäfte zu machen. Und das nicht nur während der documenta. Lothar Pflüger vom Kasseler Ordnungsamt klärt auf: Nach einem Magistratsbeschluss sind in der gesamten Kasseler Innenstadt keine fliegenden Händler zugelassen. Es gebe nur wenige Ausnahmen, wie für bestimmte Presseerzeugnisse, so Pflüger. So darf zum Beispiel das Obdachlosenmagazin "Tagessatz" in der Innenstadt verkauft werden.
In diesem Sommer gibt man sich beim Ordnungsamt aber etwas großzügiger. "Wir wollen uns während der documenta nicht als kleinliche Behörde darstellen", sagt Pflüger. Und daher seien bereits Dinge für die Innenstadt genehmigt worden, die sonst nicht erlaubt seien. So dürften hier Velo-Taxis (Rikschas) auf Kundschaft warten, ein Presse-Grossist dürfe seine Ware per Fahrrad an die Kunden bringen, und ein spezieller Fotoautomat für Schwarzweiß-Fotografien werde aufgestellt. Diese drei Anträge seien bereits genehmigt worden, so Pflüger. Bei jedem Antrag setze man sich mit der documenta GmbH in Verbindung. Es würde nichts zugelassen, was eine Konkurrenz zur documenta darstelle.
Wer in Nähe der Karlsaue etwas verkaufen möchte, hat noch Chancen. Dort steht seit vielen Jahren ein Eishändler auf dem Auedamm. Wer dort auch verkaufen möchte, muss einen Antrag beim Ordnungsamt stellen.
Frank Thaldorf mit seinem roten Espresso-Mobil ist vielen Menschen bekannt. Auch er würde gern seinen Kaffee vor der Orangerie verkaufen. Bislang wisse er aber nicht, welche Gastronomen den Zuschlag für die documenta bekommen. "Ich warte erst mal ab und lasse alles auf mich zukommen." Eins weiß Thaldorf sicher. Mit seinem roten Mobil wird er in diesem Sommer abends wieder am Kulturzelt stehen.
Von Ulrike Pflüger-Scherb
Quelle HNA vom 26.04.2007 www.hna.de
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