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Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Nord-Hessen weist in der ersten Jahreshälfte 2009 eine steigende Tendenz auf. Die Verbraucherinsolvenzen bewegen sich hingegen bislang auf konstantem Niveau. Creditreform Kassel rechnet für die Zukunft in beiden Fällen mit einem Anstieg.
Entwicklung von Firmen- und Privatinsolvenzen in Nordhessen

Im gesamten Bundesgebiet stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den Jahren 1999 bis 2003 konstant an und erreichte 2004 in Nord-Hessen mit knapp 457 Fällen ihren Höhepunkt.
Seit 2004 lässt sich deutschlandweit betrachtet ein kontinuierlicher Rückgang der Unternehmenspleiten feststellen. Bedingt durch positive konjunkturelle Entwicklungen setzte sich dieser Trend bis 2007 fort.
Demnach war in den Jahren 2003 bis 2007 ein Rückgang um rund 26 Prozent auf 29.150 Fälle zu konstatieren. Zwar entsprach dieser Stand dem verhältnismäßig niedrigen Niveau im Jahre 2000, lag allerdings noch deutlich über dem Tiefststand von 26.620 Fällen im Jahre 1999.
Zum ersten Mal seit 2003 verzeichneten die Firmeninsolvenzen 2008 bundesweit wieder eine steigende Tendenz (+ 2,2 Prozent gegenüber 2007).
Dieser Trend spiegelte sich bislang in Nordhessen nicht wider. Zwischen 2005 und 2008 bewegte sich die Zahl der Unternehmenspleiten auf gleichbleibendem Niveau (ca. 375 Fälle).
Die erste Jahreshälfte 2009 zeichnet allerdings ein anderes Bild von der Lage. Die Zahl der Unternehmenspleiten folgt nunmehr dem Bundestrend. Creditreform Kassel geht für 2009 Hochrechnungen zufolge von rund 396 aus. Dies entspräche einer Zunahme von rund 6 Prozent gegenüber 2008. Als Basis für die Hochrechnungen dienen die Insolvenzzahlen der ersten 5 Monate dieses Jahres.
Insgesamt lässt sich die Vermutung anstellen, dass Nordhessen weniger von den aktuellen Entwicklungen tangiert wird, als es bei wirtschaftsstarken Regionen mit Industrien und Dienstleistungsbereichen mit hohem Exportanteil der Fall ist. Beobachtungen von Creditreform Kassel zufolge kommen die insolventen Unternehmen Nordhessens vorrangig aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe, dem Transportgewerbe, dem Speditionsbereich und aus dem Einzelhandel. Ebenfalls charakteristisch für diese Unternehmen; die Mitarbeiterzahl beläuft sich meist auf 10 oder weniger Personen. Bei diesen Firmen handelt es sich mehrheitlich um Branchen, die nicht erst seit Herbst 2008 kritisch zu betrachten sind.
Generell lassen sich für die ersten fünf Monate des Jahres 2009 keine signifikanten Ausreißer oder Trends feststellen. Das Gegenteil ist der Fall: im Mai wurden weniger Insolvenzen registriert als im April.
Die Wirtschaftsregionen Deutschlands werden unterschiedlich von den Auswirkungen der Finanzkrise getroffen. Nordhessen hat zwar auch Bindungen zu besonders betroffenen Branchen, wie bspw. der Automobilindustrie. Die Region ist aber nicht existenziell mit der verarbeitenden und exportorientierten Wirtschaft verbunden. Auswirkungen werden daher voraussichtlich erst in einer zweiten Phase der Krise erkennbar werden.
Entwicklung Firmeninsolvenzen nach nordhessischen Landkreisen
Generell ist anzumerken, dass die Zahl der Verbraucherinsolvenzen kein aussagekräftiges Bild zum Überschuldungsaufkommen innerhalb einer Region zeichnet. Sie gibt lediglich an, wie viele Personen eine Restschuldbefreiung bei Gericht beantragt haben. Mehr Aussagekraft besitzt hingegen die Anzahl der Eintragungen in die Schuldnerverzeichnisse einer Region. Im Jahr 2005 bspw. lag die Zahl der Eintragungen in den Schuldnerverzeichnissen Nord-Hessens bei 24.295 und war somit um den Faktor 30 höher als die Zahl der Verbraucherinsolvenzen.
Für das Jahr 2008 verzeichnete Nord-Hessen einen Rückgang der Verbraucherinsolvenzen um rund 12 Prozent auf 1451 Fälle und lag somit über dem bundesweiten Trend (6,5 Prozent). Wie auch im Fall der Unternehmenspleiten ist dieser Rückgang auf die positive Konjunkturentwicklung der vergangenen Jahre zurückzuführen. In der ersten Jahreshälfte 2009 scheint dieser Rückgang gebremst: die Zahl der Verbraucherinsolvenzen bewegt sich aktuell auf konstantem Niveau. Gemäß Hochrechnungen für das Jahr 2009 sind ca. 1440 Fälle zu erwarten. Aufgrund der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung rechnet Creditreform Kassel mit einem spürbaren Anstieg der Verbraucherinsolvenzen sowie der Eintragungen in die Schuldnerverzeichnisse Nordhessens.
Entwicklung Privatinsolvenzen nach nordhessischen Landkreisen
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