2010: Abnahme und Tiefstand bei Unternehmenspleiten - Anstieg und Negativrekord bei Privatinsolvenzen

Die in Deutschland registrierte konjunkturelle Erholung, insbesondere im 2. Quartal 2010, hat sich auch auf das regionale Insolvenzgeschehen weiter entspannend ausgewirkt. In 2010 wurden in der Region Nordhessen 348 Insolvenzen von Unternehmen und Selbständigen registriert. Dies entspricht einem Rückgang um 11,45 Prozent gegenüber 2009, so dass die Zahl der Firmenpleiten den bisher tiefsten Stand seit 2004 erreicht hat. Bundesweit wurde ein Rückgang der Firmeninsolvenzen um 2,5 Prozent gemessen.
| Zahl der Unternehmensinsolvenzen Region Nordhessen nach Landkreisen |
| Landkreis |
2010 |
2009 |
Veränderung, % |
| Hersfeld-Rotenburg |
53 |
43 |
+23,26 |
| Kassel |
62 |
82 |
-27,06 |
| documenta-Stadt Kassel |
86 |
92 |
-6,52 |
| Schwalm-Eder-Kreis |
50 |
60 |
-16,67 |
| Werra-Meißner-Kreis |
31 |
43 |
-27,91 |
| Waldeck-Frankenberg |
66 |
70 |
-5,71 |
| Gesamt |
348 |
393 |
-11,45 |
Auf die einzelnen Landkreise heruntergebrochen, lassen sich in der Stadt Kassel mit 86 Fällen die meisten Firmenpleiten registrieren. Waldeck-Frankenberg folgt mit 66 Firmenpleiten, der Landkreis Kassel mit 62 Fällen. In letzterem sowie im Werra-Meißner-Kreis wurden mit 27,06 Prozent und 27,91 Prozent die stärksten Rückgänge in der Region verzeichnet. Hingegen besonders zugenommen haben mit 23,26 Prozent die Firmenpleiten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.
Gut die Hälfte der insolventen Unternehmen (46,67 Prozent; 2009: 52,2 Prozent) war im Dienstleistungsbereich tätig. Über alle Landkreise hinweg ist die Zahl der Firmenpleiten im Dienstleistungsbereich in 2010 gesunken. Im Landkreis Kassel fiel der Rückgang mit rund 20 Prozent besonders stark aus. Auf den Groß- bzw. Einzelhandel entfallen 28,88 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen (2009: 27,9 Prozent). Hiervon entfallen allein auf die Stadt Kassel 31,40 Prozent und auf den Schwalm-Eder-Kreis 40 Prozent. Diese beiden Kreise stechen ferner mit einer Zunahme um je rund 9 Prozentpunkte besonders heraus. Der Bausektor machte 2010 ein Neuntel (11,17 Prozent; 2009: 10,16 Prozent) des Insolvenzgeschehens in der Region aus. Auf einen Anteil von mittlerweile 13,3 Prozent kommt hingegen das produzierende Gewerbe. Auch in diesem Hauptwirtschaftszweig ließen sich über nahezu alle Kreise Zunahmen feststellen. Im Vorjahr waren insgesamt nur 9,52 Prozent der Pleitekandidaten dem Industriesektor zugehörig.
Das Gros des deutschen Insolvenzgeschehens spielt sich im kleinen Mittelstand und Kleingewerbe ab - so auch in der Region Nordhessen. Nur in jedem zehnten betroffenen Unternehmen (10,17 Prozent: 2009: 9,35 Prozent) waren zum Zeitpunkt der Insolvenzmeldung mehr als zehn Personen beschäftigt. Drei Viertel der Pleiten (75,73 Prozent; Vorjahr: 76,55 Prozent) entfallen auf Kleinstbetriebe und selbstständig Tätige mit weniger als fünf Mitarbeitern. In den Kreisen Hersfeld-Rotenburg und Kassel entstammen sogar 83 bzw. 80 Prozent der insolventen Betriebe dieser Beschäftigungsgrößenklasse. Im Werra-Meißner-Kreis beschäftigten nur 64,5 Prozent der Unternehmen weniger als fünf Mitarbeiter, jedoch 20 Prozent mehr als zehn Mitarbeiter.
Trotz der konjunkturellen Erholung halten die Nachwehen der Finanzkrise weiter an und haben einen spürbaren Anstieg der Verbraucherinsolvenzen zur Folge. Mit 1.658 neuen Fällen wurde nicht nur der Vorjahreswert (1.522 Fälle) um 9 Prozent übertroffen, auch stellt die aktuelle Zahl einen Negativrekord dar. Bundesweit stieg die Zahl der Privatinsolvenzen um 10,09 Prozent an.
Mit rund 427 Fällen führt die Stadt Kassel die Privatinsolvenzstatistik an. Es folgen der Landkreis Kassel mit 364 Fällen, der Kreis Waldeck-Frankenberg mit 248 Fällen sowie der Kreis Hersfeld-Rotenburg mit 246 Fällen.
Im Schwalm-Eder-Kreis beantragten vergangenes Jahr 215 Personen die Restschuldbefreiung und im Werra-Meißner-Kreis 158 Personen.
Generell ist anzumerken, dass die Zahl der Verbraucherinsolvenzen keine Aussagekraft über den Grad der Privat-überschuldung einer Region besitzt. Sie gibt lediglich an, wie viele der überschuldeten Personen letztendlich bei Gericht eine Restschuldbefreiung beantragt haben. Hierbei handelt es sich meist nur um einen geringen Bruchteil. Eine weitaus genauere Einschätzung liefert die Zahl der Eintragungen in die Schuldnerverzeichnisse, welche in der Region Nordhessen um ein Zehnfaches höher ist.
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