SchuldnerAtlas Nordhessen 2017

Die Zahl der überschuldeten Verbraucher ist im Jahr 2017 weiter gestiegen, trotz leichtem Rückgang der Überschuldungsquote.

Kassel, 12. März 2018. Für das Jahr 2017 lässt sich sowohl Negatives als auch Positives über die Überschuldungssituation der Verbraucher berichten. Zum einen erhöhte sich in Deutschland erneut die Zahl der überschuldeten Personen. Und das trotz der überaus guten wirtschaftlichen Lage und Höchstständen bei der Beschäftigung. Offenbar hat sich in den letzten Jahren bei vielen eine Schuldenlast aufgetürmt, die nun vermehrt zu Zahlungsstörungen und Überschuldungstendenzen führt. Gleichzeitig findet sich aufgrund der steigenden Bevölkerungszahl ein Rückgang der Überschuldungsquote als relativer Maßstab der privaten Überschuldung sowie auch eine geringere durchschnittliche Schuldenhöhe. Zum Stichtag 1. Oktober 2017 wurde für die gesamte Bundesrepublik eine Überschuldungsquote von 10,04 Prozent (2016: 10,06 Prozent) gemessen. Trotz des Anstiegs der Überschuldungsfälle verringerte sich die Schuldnerquote leicht (- 0,02 Prozent), da Deutschland durch Zuwanderung einen Bevölkerungsanstieg verzeichnet. Damit sind über 6,9 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet und weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf. Dies sind rund 65.000 Personen mehr als noch im letzten Jahr (+ 0,9 Prozent). Die Überschuldungsquote verbleibt somit über der 10-Prozent-Marke. Die aktuell rund 4,22 Mio. Fälle mit hoher Überschuldungsintensität (vereinfacht: gerichtliche Sachverhalte) sind oft mit einer längeren Überschuldungskarriere und oft auch mit höheren Schuldenvolumina verbunden. Die 2,69 Mio. Fälle mit geringer Überschuldungsintensität (vereinfacht: nachhaltige Zahlungsstörungen) sind mit eher geringer Überschuldungsintensität verbunden und bleiben oft eine Vorstufe zum Überschuldungskarussell. Im längerfristigen Trend seit 2006 zeigt sich ein deutlicher Anstieg bei den Fällen mit hoher Überschuldungsintensität (+ 822.000) und gleichzeitig ein deutlicher Rückgang bei den Fällen mit geringer Überschuldungsintensität (- 1.096.000). Vor allem Konsumverschuldung führt zunächst zu nachhaltigen Zahlungsstörungen. Sebastian Schlegel, Geschäftsführer von Creditreform Kassel erklärt: „Von Überschuldung spricht man, wenn der Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.“ Creditreform Kassel hat dies zum Anlass genommen, die Überschuldungssituation in der Region Kassel genauer zu untersuchen.

Stadt Kassel liegt weiterhin deutlich über den Bundesdurchschnitt und erreicht Platz 15 der Städte mit der höchsten Schuldnerquote

Zur Region Kassel zählen neben der Stadt und dem Landkreis Kassel auch die Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner. Die Untersuchung von Creditreform Kassel zeigt: Mit einer Schuldnerquote von 15,85 Prozent konnte die Stadt Kassel seine Quote zwar um 0,52 Prozentpunkte verbessern, liegt damit jedoch weiterhin deutlich über dem Bundes- und Landesschnitt (Land Hessen 9,99 Prozent). Betrachtet man die Quoten der einzelnen Städte im Bundesvergleich, so steht die Stadt Kassel mit dieser Quote sogar auf Platz 15 der Städte mit den höchsten Schuldnerquoten. Das Ergebnis für die Stadt Kassel ist, wenn man es differenzierter betrachtet, bei weitem nicht so homogen wie es vermuten lässt. So reichen die Schuldnerquoten für die einzelnen Stadtteile mit dem auch für die Gesamtregion Kassel höchsten Wert von 31,13 Prozent in Nord-Holland bis zum Brasselsberg, wo die Schuldnerquote lediglich 5,32 Prozent beträgt. Der Trend in Kassel zeigt, dass die östlicheren Stadtteile eine weitaus höhere Schuldnerquote aufzuweisen haben, als die Stadtteile im Westen. 

Landkreise mit deutlich besseren Quoten

Deutlich besser stellt sich die Situation in den Landkreisen dar, da fand eine leichte Verbesserung der Schuldnerquoten statt. Der Landkreis Kassel schneidet hierbei mit einer Schuldnerquote von 9,26 Prozent (- 0,04 Prozentpunkte) am besten ab, nähert sich jedoch dem Bundesdurchschnitt. Auch die Landkreise Hersfeld-Rotenburg (9,40 Prozent / - 0,07 Prozentpunkte), Waldeck-Frankenberg (9,84 / -0,13 Prozentpunkte) zeigen einen Rückgang und liegen somit knapp unter dem Bundesdurchschnitt, während der Landkreis Schwalm-Eder (10,02 Prozent / - 0,02 Prozentpunkte) zwar ebenso einen leichten Rückgang verzeichnet jedoch aber deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt sowie der Landkreis Werra-Meißner (11,42 / - 0,14 Prozentpunkte) die höchste Schuldnerquote aufweist. Mit einer Schuldnerquote von 5,70 Prozent (- 0,13 Prozentpunkte) weist die Gemeinde Hauneck aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg die niedrigste Schuldnerquote in der Region Nordhessen auf. Den größten Rückgang mit 0,66 Prozentpunkten verzeichnete die Stadt Rotenburg im Hersfeld-Rotenburg-Kreis. Der größte Zuwachs hingegen wurde in der Kleinstadt Weißenborn im Werra-Meißner-Kreis mit 1,50 Prozentpunkten gemessen. Ähnlich geteilt stellt sich die Situation in den benachbarten Landkreisen Nordhessens dar. Hier liegen die Landkreise Marburg-Biedenkopf mit einer Schuldnerquote von 8,04 Prozent (- 0,12 Prozentpunkte) und Göttingen (9,58 Prozent / + 0,57 Prozentpunkte) unter dem Bundesschnitt. Besonders das Gebiet der PLZ 37133 Friedland sticht mit einer Schuldnerquote von 4,10 Prozent (- 1,27 Prozentpunkte) positiv heraus. Allerdings stellt die Stadt Göttingen mit dem Postleitzahlengebiet 37081 auch den Negativhöhepunkt der benachbarten Kreise (15,26 Prozent / + 0,66 Prozentpunkte). Über dem Bundesschnitt hingegen liegt der Landkreis Northeim mit einer Schuldnerquote von 10,66 Prozent (- 0,23 Prozentpunkte).

Arbeitslosigkeit als Hauptüberschuldungsgrund hat an Bedeutung verloren!

In der Analyse der Hauptauslöser für Überschuldungsprozesse, die seit 2008 kontinuierlich vom Statistischen Bundesamt durchgeführt wird, zeigt sich, dass die vorwiegend ökonomischen Überschuldungsauslöser wie Arbeitslosigkeit (2010 / 2017: - 8 Prozentpunkte) an Bedeutung verloren haben. Ihr Anteil als Hauptüberschuldungsgrund hat sich, abgesehen von kleinen temporären Schwankungen, aufgrund der in den letzten Jahren insgesamt stabilen Konjunktur in Deutschland deutlich verringert laut Sebastian Schlegel. Zugleich nahmen die Überschuldungsauslöser Erkrankung, Sucht, Unfall deutlich zu. Über die letzten Jahre eher konstante Anteile finden sich beim Überschuldungsauslöser gescheiterte Selbstständigkeit und unwirtschaftliche Haushaltsführung.

Die Altersüberschuldung steigt weiter an

Sorgen bereiten Sebastian Schlegel hingegen die starken Zuwachsraten im Alter. Das Thema Altersüberschuldung bleibt virulent und zeigt einen weiter ansteigenden Trend. 2017 müssen rund 194.000 Menschen in Deutschland ab 70 Jahren als überschuldet eingestuft werden (+ 20.000 Fälle; + 12 Prozent). Die entsprechende Überschuldungsquote (1,50 Prozent; +0,16 Punkte) liegt weiterhin deutlich unter dem Vergleichswerten der anderen Altersgruppen. Im Gegensatz dazu ist die Überschuldungszahl und -quote in der jüngsten Altersgruppe in diesem Jahr nochmals zurückgegangen. Die Überschuldungsquote beträgt hier 14,06 Prozent (- 0,45 Punkte). Allerdings müssen weiterhin rund 1,66 Millionen junge Menschen in Deutschland (unter 30 Jahren) als überschuldet eingestuft werden (-6.000 Fälle). Sebastian Schlegel: „Auffällig ist, dass gerade das Leistungsniveau der Rentenversicherung scheinbar nicht verhindern kann, dass immer mehr ältere Menschen auf Grundsicherung angewiesen sind oder die Armutsrisikoschwelle unterschreiten.“

Creditreform Kassel informiert Schulklassen im Bereich Finanzkompetenz

Um diesen Trend zu stoppen empfiehlt Schlegel die Bevölkerung, insbesondere aber die jüngeren Verbraucher, im Bereich Finanzkompetenz zu sensibilisieren. Gerade in dauerhaft verschuldeten Familien sei es wichtig, Kindern und Jugendlichen eine Hilfestellung für den Aufbau eines selbstverantwortlichen Lebens zu geben. Hierzu bietet Creditreform Kassel an, Schulklassen im Rahmen eines Informationstages mit dem Thema Finanzkompetenz und Überschuldung zu sensibilisieren und dabei wichtige Hinweise für den eigenen Umgang mit Geld zu erarbeiten.
Bei Interesse oder für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an l.hepting@kassel.creditreform.de.

www.creditreform-kassel.de

Analyse Schuldner Atlas Deutschland
Analyse Schuldner Atlas Deutschland

(pdf, 2 MB)

Download

Schuldnerquote Hessen
Schuldnerquote Hessen

(pdf, 126 KB)

Download

Schuldnerquote Stadt Kassel
Schuldnerquote Stadt Kassel

(pdf, 131 KB)

Download

Schuldnerquote Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Schuldnerquote Landkreis Hersfeld-Rotenburg

(pdf, 131 KB)

Download

Schuldnerquote Landkreis Kassel
Schuldnerquote Landkreis Kassel

(pdf, 135 KB)

Download

Schuldnerquote Landkreis Schwalm-Eder
Schuldnerquote Landkreis Schwalm-Eder

(pdf, 136 KB)

Download

Schuldnerquote Landkreis Waldeck-Frankenberg
Schuldnerquote Landkreis Waldeck-Frankenberg

(pdf, 130 KB)

Download

Schuldnerquote Landkreis Werra-Meißner
Schuldnerquote Landkreis Werra-Meißner

(pdf, 131 KB)

Download

Schuldnerquote Landkreis Marburg-Biedenkopf
Schuldnerquote Landkreis Marburg-Biedenkopf

(pdf, 135 KB)

Download

Schuldnerquote Landkreis Northeim
Schuldnerquote Landkreis Nordheim

(pdf, 131 KB)

Download

Schuldnerquote Landkreis Göttingen
Schuldnerquote Landkreis Göttingen

(pdf, 131 KB)

Download

© 2019 Creditreform Kassel / Fulda Schlegel & Busold KG

Kontakt

allgemeineskontaktformular

Allgemeines Kontaktformular
Kontakt